JugendEnsembleNeueMusik konzertiert in Saarbrücken

THE UNANSWERED QUESTION – NEUE MUSIK AUF DER SUCHE NACH NEUEN ANTWORTEN

Angesprochen werden mit diesem Konzert explizit junge Menschen, aber auch all diejenigen, die sich für die Neue Musik begeistern.

Für den saarländischen Ausnahme-Trompeter Leonard Bachmann, mehrfacher „Jugend musiziert“-Bundespreisträger und in nahezu allen Landesjugendensembles vertreten, ist es vermutlich sein letztes JENM-Projekt. Aus diesem Grund wird er als Solist in mehreren Werken noch einmal besonders in Erscheinung treten. 

Aller Voraussicht nach werden zwei Komponisten anwesend sein (Konrad Waßmann und Jonathan Spratte).

 

Programm

Charles Ives (1874–1954): The unanswered question (1908)

Konrad Waßmann (*2000): Peace about war (2022) für Solotrompete und Ensemble

Matthias Kaul (1949-2020): Bell Air (2010) für 6 Schlagzeuger mit 36 Glocken

Anestis Logothetis (1921 - 1994): Styx (1969) für Ensemble

Jonathan Spratte (*1999) Inauguration (2020) für Ensemble

Ling-Hsuan Huang (*1991) Dyschrono (2020) für 16 Instrumente

 

Mit seinem Konzertprogramm spannt das JENM einen Bogen über 100 Jahre musikalische Moderne. Die bereits 1908 entstandene und in den 30er-Jahren revidierte bahnbrechende Komposition von Charles Ives „The Unanswered Question“ symbolisiert nicht nur philosophisch die „ewige Frage nach dem Sein“, sondern zugleich auch die Frage: Musik – wohin? Mit seinen drei Klangschichten simultan über- und gegeneinander in völlig unterschiedlichen Stilen, den neuartigen Raumwirkungen, dem Verzicht auf Formschemata und ein einheitliches Zeitmaß gilt „The Unanswered Question“ als Prototyp der musikalischen Moderne, indem es der Welt des schönen Scheins und falscher Sicherheit eine fruchtbare Unruhe gegenüberstellt – hervorgerufen durch die „ewige Frage des Seins", die Frage nach der Wahrheit.

Diese fruchtbare Unruhe und Suche nach Wahrheit und Authentizität kennzeichnen auch alle weiteren Werke dieses Konzertabends, die sich mit den großen Themen menschlicher Existenz und Vergänglichkeit auseinandersetzen und dabei zu immer neuen Ausdrucksformen gelangen. Als Beispiel sei hier die Komposition „Styx“ des griechischen Komponisten Anestis Logothetis genannt. Die graphische Partitur ist optisch an einen Buchstaben des griechischen Alphabets angelehnt und visualisiert den aus der griechischen Mythologie bekannten Fluss „Styx“, der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades darstellt. Die Seelen der Toten werden von Charon, dem Fährmann, über den Fluss geschifft. Dieses Geschehen ist musikalisch eindrucksvoll in Szene gesetzt in Form von fließenden, teilweise apokalyptisch wirkenden Klängen und dramatischen Momenten.

Die weiteren zur Aufführung kommenden Werke widmen sich teilweise dem aktuellen Zeitgeschehen, sei es die Pandemie („Inauguration“) oder die zur Uraufführung kommende Komposition „Peace about war“ des Ensemblemitglieds und Kompositionsstudenten Konrad Waßmann. Auch die groß angelegte Auftragskomposition „Dyschrono“ der preisgekrönten taiwanesischen Komponistin Ling-Hsuan Huang kann nun noch einmal einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden, nachdem sie pandemiebedingt beim Festival Neue Musik 2021 in Rockenhausen nur einmal aufgeführt werden konnte.

 

Das JugendEnsembleNeueMusik Rheinland-Pfalz/Saar (JENM)

Das JENM ist eine Talentschmiede für junge Instrumentalist*innen und Vokalist*innen im Alter von 15 bis 21 Jahren. Es steht unter der Trägerschaft des Landesmusikrats Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem Landesmusikrat Saar und erhält seine Unterstützung aus Mitteln der GlücksSpirale Rheinland-Pfalz. 

In Zusammenarbeit mit aufstrebenden und auch renommierten Komponist*innen beschäftigen sich junge Musikerinnen und Musiker mit repräsentativen und stilbildenden Werken der zeitgenössischen Musik. Ziel ist die intensive Auseinandersetzung mit Neuer Musik und deren Aussagekraft. Dabei werden von Anfang an ein kreativ-unbefangener Umgang mit dem eigenen Instrument, eine offene Wahrnehmung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten geschult.

Neben Gesprächskonzerten und lebendiger Musikvermittlung sind auch interaktiv-improvisatorische Formate wie Soundpainting Bestandteil der Arbeitsphasen. Dadurch dass die Stimmen durchweg solistisch besetzt sind, kommt dabei jedem Ensemblemitglied ein Höchstmaß an (Selbst-)Verantwortung zu, das Ganze mit seiner individuellen Stimme zu bereichern.

Das JugendEnsembleNeueMusik Rheinland-Pfalz/Saar (JENM) wurde 1991 auf Initiative des rheinland-pfälzischen Komponisten Prof. Dr. Karl Josef Müller gegründet. Die künstlerische Leitung lag von 2003 bis 2020 in den Händen von Walter Reiter und seit Frühjahr 2020 bei Eva Zöllner und Stefan Kohmann. Im Jahr 2004 wurde eine Kooperation mit dem Landesmusikrat Saar aufgebaut, die seitdem Früchte trägt und sich stetig weiterentwickelt.

Seit seiner Gründung hat das JENM insgesamt 48 Arbeitsphasen durchgeführt und sich dabei weit über die rheinland-pfälzische Landesgrenze hinaus präsentiert, war häufiger Gast bei den ‚Tagen Neuer Musik‘ in Rheinsberg und auch im Haus Rheinland-Pfalz in Dijon. Zuletzt präsentierte sich das Ensemble beim renommierten Festival Neue Musik in Rockenhausen mit zwei Uraufführungen und in der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer anlässlich deren 100-jährigem Bestehen.

Weitere Informationen: www.jenm-rlp.de

 

Das JENM / die Mitwirkenden:

Emely Opper, Tanja Schneider – Flöte

Rocío Ruiz Rascón – Oboe

Dylan Zöller – Klarinette

Lorenzo Schäfer – Saxofon

Leonard Bachmann – Trompete

Konrad Waßmann – Posaune

Oliver Bićanić – Akkordeon

Julia Welsch, Jonah Ferdinand, Julius Roth – Schlagwerk

Lisa To, Mercedes Renk, Lavinia Palm – Violine

Leander Schönrock – Viola

Leo Ramroth, Floris Kurth – Violoncello

Nathan Zoth – Kontrabass

Stefan Kohmann, Eva Zöllner – Künstlerische Leitung

Sabine Melchiori – Co-Leitung & Management