Landesmusikrat Saar und Saarländischer Chorverband luden erstmals gemeinsam zum Neujahrsempfang

Das umjubelte Konzert unterstrich das Potenzial der beiden Nachwuchsensembles JugendJazzOrchester & LandesJugendChor Saar

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Saarbrücken. Ein rappelvoller Saal, stehende Ovationen – hätte es einen schöneren Auftakt für 2026 geben können? Dass das JugendJazzOrchester Saar den Neujahrsempfang des Landesmusikrats Saar auf dem Saarbrücker Halberg swingt, ist mittlerweile eine lieb gewordene Tradition. An der auch in Zukunft nicht gerüttelt werde, wie Ricarda Wackers, Programmbereichsleiterin Kultur beim Saarländischen Rundfunk, versicherte: Der SR wolle der regionalen Breitenkultur generell weiterhin ein Forum bieten, das sei „ein Herzensanliegen“.

Nun lud jedoch der Landesmusikrat erstmals nicht allein, sondern in Kooperation mit dem Saarländischen Chorverband zum Neujahrskonzert. Dafür wäre allein schon die Bühne des angestammten Studio Eins zu klein gewesen, deshalb gings in den ehrwürdigen Großen Sendesaal. Der präsentierte sich trotz der Kapriolen des Winterwetters ausverkauft: Vor dicht gefüllten Reihen musizierten das JugendJazzOrchester und der LandesJugendChor Saar gemeinsam und bescherten dem begeisterten Publikum ein ganz besonderes Erlebnis: Auf dem Programm standen Duke Ellingtons „Sacred Concerts“ - in Zusammenarbeit mit dem Saarlouiser Theater am Ring war das Konzert bereits im November vergangenen Jahres im Vereinshaus Fraulautern zu hören gewesen. Davor sei das 1965 uraufgeführte und in Folge mehrfach neu gefasste Werk, mit dem der amerikanische Pianist, Bandleader und Komponist an die europäische Tradition kirchlicher Musik anknüpfte, im Saarland seines Wissens schon seit über 20 Jahren nicht mehr aufgeführt worden, erläuterte Martin Sebastian Schmitt, künstlerischer Leiter der Bigband.
Zusammen mit Chorleiter Mauro Barbierato griff er jetzt auf eine Bearbeitung der beiden Dänen John Høybye und Peder Pedersen zurück.

Duke Ellington (1899-1974) gilt als Begründer des modernen Big-Band-Stils; seine farbenreichen und differenzierten Arrangements sollten dessen Entwicklung über Jahrzehnte prägen. Später wandte sich Ellington, ein Meister der kleinen Form, auch komplexeren Strukturen zu, darunter seine “Sacred Concerts” – eine Suite für Bigband, Chor, (Vokal-)Solisten und Tänzer, die Jazz mit Spiritualität, Chormusik und großen orchestralen Klangfarben vereint. Ellington selbst bezeichnete seine mitreißende Hommage an Glaube, Hoffnung und Freiheit, bei der sakrale Weihe auf Gospel-artige Intensität und beschwingte Blue Notes trifft, als “das Wichtigste, was ich jemals gemacht habe“.

Wie vorzüglich die beiden Auswahl-Ensembles die Herausforderung hier meisterten, zeugt von der gezielten und nachhaltigen Nachwuchsförderung innerhalb des Saarlandes. Die jungen Sängerinnen und Sänger sowie die Instrumentalisten (abgesehen von der weiblichen Vokal-Doppelspitze ist das JJO aktuell rein männlich besetzt – Mädels, wo seid Ihr?!) agierten auf Augenhöhe und mit Leidenschaft; sie empfahlen sich mit hoher Klangkultur, fein austarierter Dynamik, tadelloser Intonation und knackigen Akzenten und meisterten auch die ständigen Rhythmuswechsel souverän. Namentlich die Sektion der Bläser glänzte mit überaus beachtlichen Soli, und die beiden Gesangssolistinnen Sandrine Lisken und Josefine Laub fügten sich ebenfalls bravourös ins abwechslungsreiche Gesamtkonzept: Mit unforciertem, mitunter geradezu ätherisch zartem Timbre wechselten sie zwischen konventionellem Lied, jazzigem Scat und anspruchsvollen Vokalisen.

Als schließlich mit Thomas Klein (bekannt vom Barocktanz-Ensemble „Skomrah Corona“) gar noch ein (Stepp-)Tänzer die Bühne betrat, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen: Klein übersetzte die Musik in Bewegung; dabei schienen seine Gesten oft mit denen des mit Verve dirigierenden Mauro Barbierato synchron – ein Pas de deux der besonderen Art. Zugabe!

Der stürmische Applaus bestätigte die Worte von Dieter Boden, der als Präsident des Landesmusikrats Saar allen Mitwirkenden, Partnern und den Orga- und Verwaltungsteams herzlich dankte: „Die hörbare Kooperation zeigt, dass wir gemeinsam stark sind und dass mehrere Schultern einfach besser tragen als einzelne, wenn es um die inspirierende Arbeit mit jungen Talenten und unsere Rolle als Mentor und Wegbereiter geht.“ Jutta Schmitt-Lang, Präsidentin des Saarländischen Chorverbands, hatte nicht zu viel versprochen, als sie den Eis und Schnee wacker trotzenden Konzertbesuchern eingangs prophezeit hatte: „Sie haben die richtige Wahl getroffen!“

Text & Fotos: © Kerstin Krämer